Rückblick und Ausblick – Interview mit unserem neuen Trainer Frank Zabinski und dem sportlichen Leiter Marcel Spennhoff

Platz 3 steht am Ende der Saison zu Buche. Wie fällt euer Fazit aus?

Marcel: Grundsätzlich sind wir mit dem dritten Tabellenplatz zufrieden. Im vergangenen Sommer verlief der Saisonübergang alles andere als ruhig. Uns blieb weniger als eine Woche, um die wichtigsten personellen und organisatorischen Themen zu klären und den Fokus anschließend wieder auf den Fußball zu richten. Hinzu kamen zwischenzeitlich große personelle Probleme innerhalb des Kaders. Unter diesen Voraussetzungen können wir mit dem erreichten dritten Platz absolut zufrieden sein.

Zwischendurch befandet ihr euch sogar auf Aufstiegskurs. Trotzdem wurde an dem Ziel -Top 5- festgehalten. Warum?

Marcel: Dass intern und extern Stimmen laut wurden, die den Aufstieg als neues Saisonziel ausrufen wollten, war aufgrund unserer Tabellenführung und der guten Leistungen nicht überraschend. Allerdings waren die notwendigen Rahmenbedingungen dafür nicht gegeben. Die Trainingsbeteiligung war mehrere Monate sehr schlecht und auch sonntags hatten wir häufig personelle Engpässe. Deshalb sind wir bewusst bei unserem ursprünglichen Ziel geblieben. Zunächst musste das Fundament stimmen, bevor man den nächsten Schritt gehen kann. Unter diesen Rahmenbedingungen Platz 3 zu erreichen ist ein sehr gutes Ergebnis auch wenn eigentlich mehr drin gewesen wäre.

Wie hat sich die angespannte Personalsituation auf die Saison ausgewirkt?

Marcel: Während die Trainingsbeteiligung und die Kadergröße in der Hinrunde – mit Ausnahme des Auswärtsspiels bei Duisburg-Süd – noch relativ ordentlich waren, haben wir in der Rückrunde wichtige Punkte liegen gelassen. Wenn im Durchschnitt nur mit zwölf Spielern trainiert wird, hat dies auch früher oder später Auswirkungen auf die Spiele. Mehrfach musste uns die zweite Mannschaft personell unterstützen, damit wir überhaupt Wechselmöglichkeiten hatten. Gerade gegen Mannschaften wie Duissern, im Derby gegen den MSV II oder gegen Heißen konnten wir in den entscheidenden Phasen oft nicht so reagieren, wie wir es uns gewünscht hätten. Das hat letztlich den Unterschied ausgemacht.

Welche Spiele sind euch besonders positiv in Erinnerung geblieben?

Marcel: Vor allem die Hinrundenspiele gegen Duissern und Croatia waren sehr starke Auftritte. Auch auswärts in Duissern haben wir – abgesehen von den letzten fünf Minuten – ein richtig gutes Spiel gemacht. Beide Begegnungen gegen Fatihspor waren ebenfalls überzeugend. Hinzu kamen einige sehr souveräne Auftritte mit klaren Ergebnissen, insbesondere auf heimischem Platz.

Mit Frank Zabinski übernimmt zur neuen Saison ein neuer Cheftrainer. Wie kam der Kontakt zustande?

Marcel: Uns war wichtig, frühzeitig mit der Planung für die neue Saison zu beginnen und die Weichen rechtzeitig zu stellen. Die Telefonnummer von Frank habe ich über einen ehemaligen Spieler erhalten. Ein spontaner Anruf brachte den Stein ins Rollen. Bereits nach den ersten beiden Telefonaten wurde deutlich, dass Frank eine Fußballphilosophie vertritt, die hervorragend zu unserem Verein und unserer Mannschaft passt. Von da an wurden die Gespräche intensiver, sodass schnell feststand, dass beide Seiten gemeinsam in die Zukunft gehen möchten.

Wie ging es anschließend weiter?

Marcel: Unser Ziel war es, Frank die Möglichkeit zu geben, sich in aller Ruhe einzuarbeiten. Deshalb haben wir in den vergangenen Monaten unzählige Gespräche geführt und sämtliche Themen rund um Mannschaft, Verein und Organisation ausführlich besprochen.

Frank, herzlich willkommen beim TuSpo Saarn. Kanntest du den Verein bereits und hattest du zuvor Berührungspunkte mit der Mannschaft?

Frank: Ich habe meine gesamte Fußballlaufbahn in Essen verbracht und deshalb nur wenige Berührungspunkte mit dem Fußball in Mülheim gehabt. Natürlich sind wir in der Vorbereitung auch schon einmal auf TuSpo getroffen, aber ein tieferes Wissen über die Mannschaft oder das Umfeld hatte ich ehrlich gesagt nicht. Genau das hat die Aufgabe für mich aber so interessant gemacht. Ich wollte bewusst etwas Neues kennenlernen – eine neue Liga, neue Spieler, neue Gegner und ein neues Umfeld. Ich freue mich darauf, gemeinsam mit dem Vorstand und Marcel etwas aufzubauen und diese Herausforderung anzugehen.

Wie ist dein bisheriger Eindruck vom Verein und der Mannschaft?

Frank: Durchweg positiv. Die Chemie mit Marcel und auch Thomas hat vom ersten Gespräch gepasst. Beide haben es geschafft, mir den Verein, das Umfeld und die Menschen dahinter authentisch näherzubringen. Es ist sicherlich nicht selbstverständlich, dass die bisherigen Trainer aktiv an der Suche nach ihrem Nachfolger mitwirken. Dadurch hatten wir über mehrere Monate hinweg viele offene und ehrliche Gespräche. Das hat meinen positiven Eindruck immer weiter bestätigt.

Ich habe eine junge Mannschaft kennengelernt, die sich außergewöhnlich stark mit dem Verein identifiziert. Dazu kommen Verantwortliche, die mir vom ersten Tag an offen, ehrlich und wertschätzend begegnet sind. Sportlich sehe ich ebenfalls großes Potenzial. Die Altersstruktur stimmt und die Mannschaft bringt bereits viele Qualitäten mit. Wenn wir regelmäßig und intensiv trainieren, bin ich überzeugt, dass hier einiges möglich ist. Darauf freue ich mich sehr.

Und eines darf ich nicht vergessen: Die wunderschöne Sportanlage. Die Rahmenbedingungen sind hier wirklich hervorragend.

Mit Axel Sander wird dich während der Vorbereitung ein ehemaliger Trainer der zweiten Mannschaft unterstützen, der den Verein bestens kennt. Wie kam der Kontakt zustande und wie verliefen die bisherigen Gespräche?

Frank: Ich bin für diese Unterstützung wirklich sehr dankbar. Gerade für jemanden wie mich, für den im Verein noch vieles neu ist, ist es Gold wert, jemanden an der Seite zu haben, der die Strukturen, die Mannschaft und die DNA des Vereins bestens kennt.

Ich habe Axel bisher als äußerst sympathischen, ruhigen und fachlich sehr kompetenten Menschen kennengelernt. Durch seine Tätigkeit als Physiotherapeut bringt er zudem eine Expertise mit, die unser Trainerteam hervorragend ergänzt. Außerdem kennt er den Verein und viele Spieler bereits seit Jahren. Das wird uns den Einstieg sicherlich erleichtern und mir in vielen Situationen helfen. Mein Gefühl sagt mir, dass das eine sehr gute Zusammenarbeit wird – auch wenn sie zunächst nur für die Vorbereitung vorgesehen ist.

Mit Torwarttrainer Jürgen, Betreuer Elias und Physiotherapeutin Riccarda ist das Trainerteam komplett. Zudem übernimmt Marcel Spennhoff künftig die Rolle des sportlichen Leiters für den Herrenbereich. Wie war der Austausch mit deinem zukünftigen Team und wie werden die Aufgaben verteilt?

Frank: Gerade mit Marcel habe ich mich in den vergangenen Monaten intensiv ausgetauscht. Wir haben viele Stunden miteinander gesprochen und uns Gedanken über die Mannschaft, den Verein und die sportliche Ausrichtung gemacht. Deshalb bin ich sehr froh, ihn auch weiterhin in einer so wichtigen Funktion an meiner Seite zu wissen. Unsere Aufgabenbereiche sind klar definiert, dennoch werden wir weiterhin eng zusammenarbeiten.

Jürgen bringt als Torwarttrainer unglaublich viel Erfahrung mit. Er arbeitet äußerst akribisch, investiert viel Zeit und Herzblut in seine Aufgabe und entwickelt seine Torhüter kontinuierlich weiter. Genau so jemanden wünscht man sich in einem Trainerteam.

Riccarda und Elias sind für mich die guten Seelen der Mannschaft. Einen engagierten Betreuer und eine Physiotherapeutin im Team zu haben, ist im Amateurfußball alles andere als selbstverständlich. Beide genießen innerhalb der Mannschaft großes Ansehen und leisten einen enorm wichtigen Beitrag zum Erfolg des Teams.

Ich möchte aber auch Roland Weirauch erwähnen. Mit ihm als Trainer der zweiten Mannschaft habe ich mich ebenfalls mehrfach ausgetauscht. Ein gutes Miteinander zwischen erster und zweiter Mannschaft bringt den gesamten Verein voran. Wir vertreten viele ähnliche Ansichten und hatten von Beginn an sehr konstruktive Gespräche.

Betrachtet man die Transfers, fällt auf, dass TuSpo in diesem Sommer ungewöhnlich viele Neuzugänge verpflichtet hat. Mit zwei Torhütern und acht Feldspielern wurde der Kader deutlich erweitert.

Marcel: Wir waren uns einig, dass wir unseren Kader breiter aufstellen müssen. Viele Verletzungen, Krankheiten und private/berufliche Verhinderungen haben sich negativ ausgewirkt, sodass teilweise der Spaß auf der Strecke blieb.  Wenn man jedoch Spaß am Fußball haben und erfolgreich sein will, ist es erforderlich, dass Trainingseinheiten mit einer gewissen Qualität durchgeführt werden können. Deshalb war es wichtig, die Mannschaft quantitativ und qualitativ zu verstärken. Rückten jahrelang Spieler aus der A-Jugend in die Erste auf, so macht sich das Fehlen einer A-Jugend natürlich bemerkbar, sodass wir externe Spieler verpflichtet haben.

Unser Fokus lag dabei auf jungen, hungrigen Spielern, die sich sportlich weiterentwickeln möchten und bei denen die Freude am Fußball im Vordergrund steht. Idealerweise verfügen sie auch über Saarner Wurzeln oder eine enge Verbindung zum Verein. Neben der sportlichen Qualität spielen für uns schließlich auch Teamgeist und Identifikation eine wichtige Rolle.

Genau das ist uns gelungen. Mit Leisi und Yevhenii rücken zwei Spieler aus der zweiten Mannschaft auf. Michel, Alex, Max, Leo und Oleksii haben bereits in der Jugend das TuSpo-Trikot getragen und sich im Verein immer wohlgefühlt. Das war sicherlich auch ein Grund, warum sie sich trotz anderer Angebote für eine Rückkehr entschieden haben.

Marius war im Grunde nie wirklich weg und möchte noch einmal voll angreifen. Mit Efe Cakim kommt ein frisch gebackener Aufsteiger zu uns, der bereits einige Spieler aus dem Kader kennt. Bobby hat bereits mit Frank bei Saloniki Essen zusammengearbeitet und wurde von der Mannschaft hervorragend aufgenommen.

Welche Abgänge stehen fest?

Marcel: Unsere bisherige Nummer eins, Sebastian Pawlik, wird sich beruflich verändern und steht uns deshalb nur in den ersten Wochen der Vorbereitung zur Verfügung. Kevin Kotschwar, der uns in der vergangenen Saison dankenswerterweise als zweiter Torwart unterstützt hat, wechselt zum 1. FC Mülheim. Außerdem wird auch Ayman Kassas den Verein verlassen.

Ist die Kaderplanung damit abgeschlossen?

Frank: Zum Start der Vorbereitung wird noch ein weiterer Spieler ein Probetraining absolvieren. Ansonsten steht unser Kader, mit dem wir sehr zufrieden sind.

Wie wollt ihr die kommende Saison angehen?

Frank: Uns ist wichtig, dass die gute Stimmung innerhalb der Mannschaft erhalten bleibt. Wir möchten uns erneut als geschlossene und faire Mannschaft präsentieren. Im Training wollen wir uns kontinuierlich weiterentwickeln und sonntags mit hoher Einsatzbereitschaft die bestmögliche Leistung auf den Platz bringen. Dafür brauchen wir eine hohe Trainingsbeteiligung und einen gesunden Konkurrenzkampf.

Marcel: Darüber hinaus möchten wir die gute Zusammenarbeit mit der Ü32 und unserer zweiten Mannschaft weiter pflegen. Gleichzeitig wollen wir auch abseits des Platzes verschiedene Projekte rund um Infrastruktur und Vereinsleben auf den Weg bringen.

Wie schätzt ihr die Liga in der kommenden Saison ein?

Frank: Ich denke, dass es erneut fünf oder sechs Mannschaften geben wird, die um den Aufstieg mitspielen wollen. Wie schon in der vergangenen Saison werden die Tagesform und die jeweilige Personalsituation in den entscheidenden Momenten eine große Rolle spielen.

Mit welcher tabellarischen Zielsetzung geht ihr in die Saison?

Frank: Wenn wir die genannten Voraussetzungen erfüllen und kontinuierlich arbeiten, möchten wir bis zum Ende um den Aufstieg mitspielen.

Wann startet die Vorbereitung und wie sieht der Fahrplan aus?

Frank: Für uns kam die Verschiebung des Saisonstarts auf den 30. August etwas überraschend. Die Mannschaft ist gesund von der Mannschaftsfahrt zurückgekehrt, sodass wir die ersten beiden Trainings mit einer sehr guten Beteiligung absolvieren konnten. Wie gewohnt stehen mehrere Testspiele auf dem Programm. Außerdem nehmen wir am Croatia-Cup sowie am Turnier von Mintard II teil.

Was soll bis zum ersten Spieltag erreicht werden?

Frank: In erster Linie wünschen wir uns eine verletzungsfreie Vorbereitung. Jeder Spieler soll die Möglichkeit erhalten, sich zu zeigen und für einen Platz in der Mannschaft zu empfehlen. Darüber hinaus möchten wir, dass unsere Spielidee bis zum Saisonstart klar erkennbar ist und von der Mannschaft verinnerlicht wurde. Die Spieler sollen genau wissen, wie wir Fußball spielen wollen und welche Werte uns dabei wichtig sind. Ebenso entscheidend ist, dass sich unsere Neuzugänge schnell integrieren und der starke Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft erhalten bleibt. Eine erfolgreiche Saison beginnt schließlich nicht erst am ersten Spieltag, sondern bereits in der Vorbereitung – sportlich und menschlich.

Und wo soll die Mannschaft am letzten Spieltag der Saison stehen?

Frank: Darauf möchte ich heute noch keine konkrete Antwort geben. Jetzt konzentrieren wir uns zunächst darauf, die Ziele der Vorbereitung zu erreichen. Wenn uns das gelingt, werden wir sehen, wohin unser Weg führt.

Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen euch einen erfolgreichen Start in die neue Saison und viel Erfolg für die kommende Spielzeit!